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26.5.2010: MAZ
Stahnsdorfer Firma mit „Tempelhof-Erfahrung“ gibt Hinweise zu Rieselfeldern
Die GIFTe im Boden der Rieselfelder haben möglicherweise nicht so schlimme Auswirkungen wie bisher befürchtet. Ingenieure können die Belastung vorhersagen.
Schon lange wird über die Reaktivierung der Rieselfelder gestritten. Laut dem Kreistagsabgeordneten Axel Müller (Grüne) soll nun ein neuer Antrag hierzu an das Landesumweltamt gestellt werden. „Der Wasserstand im Güterfelder See ist um einen Meter gefallen. Durch die Wiederaufnahme der Berieselung wollen wir das Wasser in der Region halten.“ Möglich wäre eine Wasserzufuhr aus dem Stahnsdorfer Klärwerk.
Problematisch an der Wiederinbetriebnahme ist, dass die Rieselfelder mit Schwermetallen belastet sind. Durch Voruntersuchungen muss geklärt werden, ob und wie viele Schadstoffe durch die Beregnung der Felder freigesetzt werden. „Die Konzentration der Schwermetalle im Boden sagt noch nichts darüber aus, wie hoch die reale Belastung wird“, so Ingenieur Rainer Macholz.
Macholz ist Geschäftsführer der Macholz Umweltprojekte GmbH in Stahnsdorf. Das Ingenieurbüro befasst sich unter anderem mit der Beseitigung von Altlasten, auch im Fall des Stahnsdorfer Rathauses. „Wir messen die GIFTkonzentration in den Räumen und machen dann Vorschläge zu deren Beseitigung. Teilweise ist es ein echter Krimi, herauszufinden, woher das GIFT kommt“, so Macholz. Seine Firma war auch an der Beseitigung von BodenGIFTen am Flughafen Tempelhof beteiligt. „In unserer Vorrecherche haben wir herausgefunden, dass es dort aus Kriegszeiten unterirdische Tanklager gab. Von deren Existenz wusste heute niemand mehr etwas. Ohne gründliche Vorbereitung würden solche Begebenheiten die Planungen zunichte machen.“
Ebenfalls zum Aufgabengebiet gehört die Renaturierung von Truppenübungsplätzen. „Bei Handgranaten bleiben 30 bis 40 Prozent des Sprengstoffs ungenutzt und reichern sich im Boden an. Wir haben einen speziellen Sensor, der so feinfühlig wie eine Hundenase anzeigt, wo wir den Boden austauschen müssen.“ Laut Rainer Macholz ist die Renaturierung unumgänglich, um das Ziel der Bundesregierung zu erfüllen, ab dem Jahr 2020 nur noch 30 Hektar Land pro Tag zu versiegeln.
Die Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm (Grüne), die sich gestern über die Unternehmungen der Umweltprojekte GmbH informierte, findet das Ziel zu niedrig angesetzt. „Wir müssen den Flächenverbrauch auf Null reduzieren. Die Bauern klagen heute schon über zunehmende Umnutzung ihrer Flächen“, so Behm.
Enrico Bellin
MAZ, 26.5.2010