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Es soll wieder rieseln
Stahnsdorf plant museale Nutzung eines Standrohrs
STAHNSDORF - Ein historisches „Standrohr“ auf den ehemaligen Rieselfeldern zwischen Güterfelde und Marggraffshof soll zu einem technischen Museum ausgebaut werden. Das Projekt mit der Bezeichnung „Stahnsdorfer Wasserscholle“ wird bereits im Grünordnungsplan der Gemeinde Stahnsdorf aufgeführt.
„Wir wollen einen touristischen Anziehungspunkt schaffen und außerdem demonstrieren, wie Wasser im Bereich der Rieselfelder gehalten werden kann“, sagte Stahnsdorfs Bürgermeister Bernd Albers (Bürger für Bürger) gestern zur MAZ. Das technische Denkmal könnte darüberhinaus Wege aufzeigen, dem aktuellen Wassermangel in dem Gebiet zu begegnen, über den seit vielen Jahren geklagt wird.
Das Projekt sieht konkret vor, geklärtes Wasser aus dem Stahnsdorfer Klärwerk über eine bestehende Rohrleitung auf einige wenige Rieselfeldtafeln in der Nähe des Standrohrs zu leiten, um diese zu bewässern. „Wir reaktivieren eine alte Technik“, so Albers.
Bei Recherchen der Berliner Wasserbetriebe habe sich herausgestellt, dass die Leitung unbeschädigt und damit nutzbar sei. Geruchsbelästigungen könne es nicht geben, weil geklärtes Wasser fließe. Damit würden auch keine Schadstoffe angeschwemmt.
Für Besucher des Industriedenkmals würde auf diese Weise die Funktion der Verrieselung Berliner Abwässer simuliert, wie sie vor über 100 Jahren eingeführt wurde. Über ein umfangreiches Rohrsystem waren damals die flüssigen Hinterlassenschaften der Hauptstädter auf Felder geleitet worden, die außerhalb des Stadtgebiets lagen. Die Standrohre, von denen nur noch wenige Exemplare wie das bei Marggraffshof existieren, zeigten den Wasserdruck in den Rohren an. Die Rieselwärter, die Tag und Nacht im Einsatz waren, konnten dann entscheiden, welche Wassermengen sie auf die von niedrigen Wällen umgebenen „Tafeln“ leiten mussten. Als landwirtschaftliche Flächen waren die Rieselfelder einst begehrt, bis die Verrieselung von Industrieabwässern der Nutzung ein Ende bereitete. Im Jahr 1998 hatte das System endgültig ausgedient.
Bürgermeister Albers kann sich gut vorstellen, dass die Felder mit Standrohr Interesse bei Besuchern finden würden. „Wir wollen einen kleinen Parkplatz anlegen und die damalige Verrieselungstechnik auf Schautafeln erläutern.“
Das Projekt soll wissenschaftlich begleitet werden. Die Berliner Wasserbetriebe hätten zudem signalisiert, das Wasser kostenlos auf die Tafeln zu leiten.
Am Beginn des Vorhabens soll nun zunächst eine Machbarkeitsstudie stehen. Auch Gespräche mit den Berliner Stadtgütern muss es noch geben. Die Stadtgüter sind Eigentümer der Rieselfelder. Das Verhältnis zur Kommune ist derzeit angespannt, weil der Berliner Betrieb auf der Fläche Windräder bauen lassen will.
„Verhandlungen zum Aufbau des technischen Museums wird es erst geben, wenn die juristische Auseinandersetzung um die Windkraftanlagen beendet ist“, so Bürgermeister Albers.
(Von Jürgen Stich)
MAZ, 8.8.09