Sie sind hier: Startseite > Presse

Klärwasser



Klärwerkwasser für Hirtengraben

Grundwasserpegel könnte um zwei Meter steigen/ Bedenken wegen Schwermetallen auf Rieselfeldern

Das von Pflanzen überwucherte Bett des Hirtengrabens führt kaum noch Wasser. Dafür gibt es umso mehr Müll. Enten kämpfen mit Plastiktüten. Es stinkt. Das einstige Stadtbiotop im Kirchsteigfeld ist fast kaputt. Doch womöglich bahnt sich eine Rettung an.

Nach Angaben des Landesumweltamtes wird geprüft, ob gefiltertes Abwasser aus dem Klärwerk Stahnsdorf auf die ehemaligen Rieselfelder bei Güterfelde geleitet werden soll. Das hätte zur Folge, dass der Grundwasserspiegel in der Umgebung steigt und dadurch das umliegende Grabensystem gespeist wird. Profitieren würde davon neben dem Hirtengraben unter anderem auch der Güterfelder Haussee, dem ebenfalls die Versandung droht.

Die Rieselfelder wurden kurz vor der Wende versiegelt, weil bei ihnen eine erhöhte Schadstoffbelastung gemessen worden war. Jahrzehntelang hatten sich dort Schwermetalle aus den Abwässern eingelagert. Seit dem Ende der Verrieselung sank der Grundwasserpegel um rund zwei Meter. Das Klärwasser, das heutzutage anfällt, gilt als sauberer und unbedenklich. Allerdings könnte es die giftigen Rückstände im Boden herausspülen.

Die Erde von ihren Schadstoffen zu befreien, gilt als unbezahlbar. Deshalb wird in verschiedenen Projekten, vor allem in Berlin, versucht, die Schwermetalle durch das Einbringen von Lehm und Bauschutt im Boden zu binden und ihr Vordringen ins Grundwasser so zu verhindern. Die Ergebnisse dieser Tests sollen abgewartet werden, bis das Verfahren auch in Potsdam angewandt wird, sagte Ministeriumssprecher Günter Froböse. Zu klären wäre außerdem die Frage, was die Sanierung der Böden kosten würde und wer das bezahlen soll. Die Stadt wollte sich dazu gestern nicht äußern.

Im Klärwerk Stahnsdorf werden jährlich zirka vier Millionen Kubikmeter Abwasser behandelt. Das geklärte Wasser wird in den Teltowkanal abgeleitet und geht somit der Region verloren, was bei manchen Kopfschütteln auslöst. „Prinzipiell ist es nicht klug, das Wasser der Stadt nach Gebrauch wegzuleiten“, sagt Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe, zu denen das Stahnsdorfer Klärwerk gehört. Er findet, dass die Behörden bei der Genehmigung neuer Rieselfelder „ein bisschen übervorsichtig“ sind.

Der Geologe Ernst Eberhardt, der für die Stadt 2008 ein Gutachten erstellt hatte, wie der Hirtengraben zu retten ist, sagte: „Angesichts des angestrengten Wasserhaushaltes der Stadt kann man es sich nicht leisten, das Wasser einfach abzugeben.“ In seinem Gutachten schrieb er: „Es sollte eine Abwägung zwischen dem Risiko etwaiger Schadstoffreste im Klärwasser und der Verbesserung des Grundwasserhaushaltes der Region bei gleichzeitiger Erhaltung ökologisch wertvoller Feuchtgebiete durch die zuständige Fachbehörde vorgenommen werden.“ Um den Hirtengraben wiederzubeleben, müssen aber auch die Anwohner mitmachen, meint Geologe Eberhardt. Vor allem müssten sie aufhören, die stark wachsende Entenpopulation zu füttern. Weil durch den Kot der Tiere das Wasser überdüngt wird, kommt es zu einer Veralgung. Für den einst fließenden Graben, wo vor 50 Jahren noch Forellen schwammen, sei das „absolut unverträglich“.

(Von Steven Hanke)

MAZ, 6.10.2009

Allgemein